Kolumne “Die Woche”

Köln-Mülheim, 22.4.26

Sehr geehrter Herr Berger,
ich lese den KStA seit 55 Jahren. Ihre samstägliche Kolumne „Die Woche“ bereitet mir ab und an Vergnügen. An diesem Wochenende allerdings überwiegt Verärgerung. Gut, über die besagte Brücke in Höhenhaus kann man geteilter Meinung sein. Die Siedlung wird durch den nötigen Abriss nicht wirklich abgeschnitten, aber meinetwegen, mit einer ampelgestützten Einspurigkeit kann ich gut leben. Die Hauptnutzer der Brücke sind im übrigen nicht die Siedlungsbewohner, sondern es ist der Durchgangsverkehr.

Aber es geht Ihnen ja augenscheinlich um das Egerer-Bashing. Ich will unseren Verkehrsdezernenten jetzt nicht verteidigen, das kann der selbst viel besser. Ich weise allerdings darauf hin, dass Köln mit Herrn Egerer und der zugehörigen Mobilitätsverwaltung zum ersten Mal ein „Instrument“ hat, um im Verkehrsbereich die Ratsbeschlüsse zum Klimawandel auch tatsächlich umzusetzen.

Und jetzt zum wichtigsten Thema: die Zukunft der Mülheimer Brücke. Sie schreiben, dass Herr Egerer die Mülheimer Brücke in erster Linie den Fußgängern und Radfahrern überlassen will. Das ist, mit Verlaub gesagt, grober Unfug und Meinungsmache und verkennt die tatsächliche Verkehrs- und Umweltsituation in Mülheim. Es reiht sich ein in die einseitige Berichterstattung von KStA und Rundschau, in der gerne Menschen (Handwerkskammer, Arena, IHK u.a.) zu Stellungnahmen veranlasst werden, von denen man annimmt, dass sie die alten Zustände mit gebetsmühlenhaft wiederholten Behauptungen wieder haben möchten.

Fakt ist:

  1. Zur Zeit fahren 6000 Menschen täglich mit dem Rad über die Brücke. Mit Anschluss der Radpendlerrouten links-und rechtsrheinisch werden es doppelt so viele werden. Schon für den heutigen Radverkehr sind die Nebenanlagen (Rad-Fußwege) rechtlich zu gering dimensioniert.
  2. Die Luftmessstation am Clevischen Ring zeigt unter den heutigen Bedingungen Werte, die an die Grenzen der Zulässigkeit ab 2030 heranreichen. Jeglicher zusätzlicher KFZ-Verkehr ( im Vergleich zu heute) wird dann zu rechtlich unzulässigen Überschreitungen führen.
  3. LKW-Verkehre (über 7,5t Gesamtgewicht) müssen die Brücke nicht benutzen. Sie kommen an alle Ziele locker ohne die Brücke, wie man seit Jahren sehen kann.
  4. Es gibt keine zusätzlichen Staus in der heutigen Situation. Wenn man sich an die Situation vor Sperrung der Brücke 2019 erinnert, dann war das für Mülheim katastrophal.
  5. Die Verkehre auf den anderen Kölner Brücken haben mit denen auf der Mülheimer Brücke nichts zu tun, d.h. die Sanierung z.B. der Deutzer oder Zoobrücke hätte keinen Einfluss auf die Menge des MIV in Mülheim.

Wenn Sie, Herr Berger, die oben genannten Vertreter von IHK und Co. davon überzeugen könnten, sich dafür einzusetzen, dass unnütze Autofahrten unterbleiben, dann hätten wir ein paar Verkehrsprobleme weniger. Die Kölner Mobilitätsverwaltung mit Herrn Egerer an der Spitze herunterzumachen hilft für die Zukunft niemand. Und noch eine Bitte: Bevor Sie weiter auf die eine oder andere Art Stellung zur Mülheimer Brücke nehmen, informieren Sie sich bitte nach allen Seiten.

Mit freundlichen Grüßen Günter Hermkes, seit 72 Jahren Mülheimer und Höhenhauser